Familienstiftung [Top-8 Vorteile] ‚Äď Kosten, Satzung & Gr√ľndung im √úberblick

Was ist eine Familienstiftung? Welche Vorteile bieten Familienstiftungen? Wie werden Familienstiftungen gegr√ľndet? Wie werden Familienstiftungen steuerlich behandelt? Welche Alternativen zur Familienstiftung gibt es? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im nachfolgenden Beitrag.

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Autor: Florian Stein Florian Stein

Der Begriff ‚ÄěStiftung‚Äú wird h√§ufig mit einem gemeinn√ľtzigen Zweck assoziiert. Eine Ausnahme stellt die sogenannte ‚ÄěFamilienstiftung‚Äú dar. Sie dient keinem gemeinn√ľtzigen Zweck, sondern gew√§hrleistet stattdessen den langfristigen Zusammenhalt des Familienverm√∂gens und die Versorgung der Familienmitglieder √ľber mehrere Generationen hinweg. So bietet Sie Familienmitgliedern beispielsweise die M√∂glichkeit, steuerlich bedacht zu werden, ohne dass dabei das Verm√∂gen geteilt wird oder die Kontrolle √ľber das Familienunternehmen verloren geht. In diesem Beitrag erfahren Sie alles √ľber die Gr√ľndung, steuerliche Behandlung, Satzung, Kosten und Organe von Familienstiftungen.

 

Was ist eine Familienstiftung?

Unter einer Familienstiftung versteht man eine mit Verm√∂gen ausgestattete Institution, die dauerhaft dem Interesse einer Familie dient. Das Verm√∂gen wird also nicht von einer bestimmten Person bzw. einem bestimmten Personenkreis, sondern von der Stiftung √ľbernommen. Sie ist selbstst√§ndig und geh√∂rt sich selbst. ¬†Eine Familienstiftung hat im Gegenteil zu Kapitalgesellschaften oder Vereinen weder Mitglieder noch Gesellschafter. Sie besteht vielmehr aus einem Verm√∂gen und einer Satzung, in der festgehalten wird, zu welchem Zweck das Verm√∂gen verwendet wird und wie die Verwaltungsorgane definiert sind.

Immobilien & Finanzen

Der Stifter bringt entweder zu Lebzeiten oder im Erbfall Vermögen in die Stiftung ein.

Entweder zu Lebzeiten oder im Erbfall bringt der Stifter Privat- bzw. Betriebsverm√∂gen in die Stiftung ein. Dabei kann es sich um Immobilien, Bargeld, Wertpapiere, Unternehmensanteile oder sogar Kunstgegenst√§nde handeln. Die Beg√ľnstigten der Stiftung, die auch als Destinat√§re bezeichnet werden, stehen dabei in einem famili√§ren oder zumindest verwandtschaftlichen Verh√§ltnis zum Stifter. Destinat√§re k√∂nnen Zuwendungen aus den laufenden Ertr√§gen des Stiftungsverm√∂gens erhalten. Hierzu z√§hlen beispielsweise Mieten, Kapitalertr√§ge oder Unternehmensgewinne. Damit bietet die Familienstiftung steuerliche Vorteile, die sowohl dem Stiftungsinhaber als auch seiner Familie zu Gute kommen. Grunds√§tzlich werden Familienstiftungen in private und unternehmensbezogene Formen unterteilt. Dabei erfreut sich die unternehmensbezogene Familienstiftung besonders gro√üer Beliebtheit.

 

Stiftungszweck: gemeinn√ľtzig oder privatn√ľtzig?

Im Bereich des Gesellschaftsrechts sind Stiftungen ein weit verbreitetes Mittel, um Unternehmen sowohl zivil- als auch steuerrechtlich umfassend abzusichern. Viele Menschen verbinden Stiftungen dagegen mit sozialem Engagement. Und tats√§chlich sind 90 Prozent aller Stiftungen gemeinn√ľtziger Natur. Das bedeutet, dass die Stifter gemeinn√ľtzige Projekte unterst√ľtzen und dieses Engagement f√ľr die Zukunft sichern wollen. Auch Unternehmen gr√ľnden h√§ufig gemeinn√ľtzige Stiftungen, um Bekanntheit und Beliebtheit zu steigern. Neben gemeinn√ľtzigen Stiftungen gibt es aber auch noch Stiftungen, die nicht mit einem sozialen Engagement in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Familienstiftung. Sie verfolgt einen privaten, wirtschaftlichen Zweck und verst√∂√üt damit gegen die Gemeinn√ľtzigkeit nach ¬ß 51 der Abgabenordnung. Dies ist legitim, solange der Zweck selbstlos ist. Familienstiftungen d√ľrfen demnach nicht das Ziel verfolgen, ihr Verm√∂gen zu vermehren. Als Stiftungszweck wird daher die F√∂rderung der finanziellen Interessen der Familienmitglieder bzw. die Sicherung und Erhaltung von Familienverm√∂gen angegeben.

 

Wie wird eine Familienstiftung gegr√ľndet?

Nicht zuletzt, weil die Familienstiftung einen gro√üen organisatorischen und juristischen Aufwand bedeutet, sollte ihre Gr√ľndung sorgf√§ltig geplant und vorbereitet werden. Eine ausf√ľhrliche Beratung durch einen Fachmann ist im Vorfeld der Gr√ľndung daher unbedingt empfehlenswert. Auch bez√ľglich der darauffolgenden Schritte zur Gr√ľndung der Stiftung sollten Sie sich unbedingt rechtlich beraten lassen. Kontaktieren Sie uns gern, wenn Sie sich eine kompetente und umfassende Beratung zum Thema Familienstiftung w√ľnschen. Unsere Kanzlei hilft Ihnen gerne dabei, die optimale L√∂sung f√ľr Ihre individuelle Situation zu finden.

 

 

Die Gr√ľndung der Stiftung beginnt ganz allgemein mit dem Entwurf eines Stiftungskonzepts sowie einer Stiftungssatzung. In Letzterer sind unter anderem der Stiftungszweck sowie Name und Sitz der Stiftung zu benennen. Im n√§chsten Schritt werden dann die Stiftungsorgane besetzt, insbesondere der Stiftungsvorstand und der Stiftungsbeirat. Beim Stiftungsvorstand handelt es sich um das gesch√§ftsleitende Gremium, der Stiftungsbeirat wird dagegen h√§ufig eingesetzt, um eine Kontrollfunktion auszu√ľben. Wurden Stiftungskonzept und -satzung entworfen und sind die Stiftungsorgane besetzt, gilt es, die Stiftung mit Kapital auszustatten. Dieses stammt entweder aus dem Privat- oder Betriebsverm√∂gen des Stifters und betr√§gt in der Regel mindestens 50.000 Euro. Im vorletzten Schritt der Gr√ľndung wird das sogenannte Stiftungsgesch√§ft versendet. Dabei handelt es sich um einen Antrag zur Stiftungsgr√ľndung, der schriftlich mit Stiftungssatzung und Verm√∂genswidmung bei der zust√§ndigen Landesbeh√∂rde eingereicht wird. Im letzten Schritt der Gr√ľndung wird die Stiftung durch die Stiftungsbeh√∂rde anerkannt.

Gr√ľndung zu Lebzeiten

Die Gr√ľndung zu Lebzeiten ist √ľberaus vorteilhaft, da der Stifter sich hier mit der Stiftungsbeh√∂rde und dem Finanzamt abstimmen kann. Die Stiftungsurkunde muss dabei schriftlich erstellt und vom Stifter eigenh√§ndig unterzeichnet werden. Danach erfolgt die √úbertragung eines vom Stifter frei gew√§hlten Betrags in das Stiftungsverm√∂gen. Solange er lebt, sitzt der Stifter im Vorstand und bestimmt mit. Er kann die von ihm ausgew√§hlten, vertrauten Personen also lenken. Stirbt der Stifter, so sind der Stiftungsvorstand und die Aufsichtsbeh√∂rde dazu verpflichtet, seinen Willen fortzuf√ľhren.

Gr√ľndung mit Testament

Neben der Gr√ľndung zu Lebzeiten k√∂nnen Stifter aber auch in einem Testament verf√ľgen, dass aus dem Nachlass eine Stiftung errichtet wird. Dieses Vorgehen ist jedoch sehr riskant und daher kaum empfehlenswert. Denn der Stifter kann hier nicht mehr befragt werden, so dass der Wille des Verstorbenen unter Umst√§nden nicht mehr befolgt werden kann, da die Beh√∂rden aufgrund von Unbestimmtheit einer solchen Gr√ľndung keine Genehmigung erteilen. Sollte dennoch der Wunsch nach einer Zuwendung erst nach dem Tod des Stifters bestehen, bietet sich eher ein Vermerk im Testament f√ľr eine Zustiftung zu einer bereits bestehenden Stiftung an. In diesem Fall handelt es sich in der Regel jedoch nicht mehr um eine Familienstiftung.

 

Wie werden Familienstiftungen steuerlich behandelt?

Da es sich bei Familienstiftungen nicht um gemeinn√ľtzige Stiftungen handelt, sind sie auch nicht steuerbefreit. Es fallen also an verschiedenen Stellen Steuern an, beispielsweise im Rahmen der Gr√ľndung. Diese Steuerbelastung stellt aber gerade im Vergleich zu anderen L√∂sungen und je nach Familienkonstellation nicht zwangsl√§ufig einen Nachteil dar.

Rechner & Finanzen

Familienstiftungen sind privatn√ľtzige Stiftungen und somit steuerpflichtig.

Besteuerung bei Stiftungsgr√ľndung

Im Rahmen der Stiftungsgr√ľndung f√§llt mit dem Stiftungsgesch√§ft und der damit einhergehenden √úbertragung von Verm√∂genswerten die sogenannte Schenkungssteuer an. Hieraus ergibt sich unter Umst√§nden ein Vorteil gegen√ľber anderen Privatstiftungen. So richtet sich die Besteuerung zum Beispiel nach dem Verwandtschaftsgrad zwischen Stifter und beg√ľnstigten Familienmitgliedern. Handelt es sich dabei um den Ehepartner und/oder direkte Abk√∂mmlinge wie Kinder oder Enkel, wird die g√ľnstigste Steuerklasse (Steuerklasse I) angewendet. Beg√ľnstigte der Steuerklasse I k√∂nnen dabei einen Freibetrag von bis zu 500.000 Euro (Ehepartner) bzw. 400.000 Euro (Kinder & Enkel) geltend machen, Beg√ľnstigte der zweiten und dritten Steuerklasse dagegen nur bis zu 20.000 Euro. Solche hohen Freibetr√§ge k√∂nnen au√üerdem nur im Rahmen der Stiftungsgr√ľndung in Anspruch genommen werden. Sp√§tere Zustiftungen unterliegen der Steuerklasse III.

Besteuerung von Stiftungsverm√∂gen & Aussch√ľttungen

Da Familienstiftungen keine gemeinn√ľtzigen Zwecke verfolgen, interessiert die Abzugsf√§higkeit von Spenden an dieser Stelle nicht. Ertragssteuerlich werden Familienstiftungen gem√§√ü ¬ß 1 des K√∂rperschaftssteuergesetzes (KStG) mit einer K√∂rperschaftssteuer von 15 Prozent (¬ß 23 KStG) besteuert. Dabei kann gem√§√ü ¬ß 24 KStG ein Freibetrag von bis zu 5.000 Euro geltend gemacht werden, der auch f√ľr die Gewerbesteuer gilt. Zur K√∂rperschaftssteuer kommt au√üerdem die Erbersatzsteuer hinzu, die im ¬ß 1 Abs. 1 des Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) geregelt wird. Sie wird erhoben, damit die normale Erbschaftssteuer von Familien nicht √ľber den Weg einer Stiftung umgangen wird. So wird das Verm√∂gen einer Familienstiftung alle 30 Jahre mit der Erbersatzsteuer belastet. Dabei wird von einem fiktiven Erbfall an zwei Kinder ausgegangen. Demnach kann ein Freibetrag von bis zu 800.000 Euro (400.000 Euro pro Kind) geltend gemacht werden und der Steuersatz liegt zwischen 7 und 30 Prozent.

Beispielrechnung:

 

Tipp! Die steuerliche Belastung der Erbersatzsteuer kann gesenkt werden, indem eine Stiftung f√ľr jedes Kind gegr√ľndet wird, wodurch mehr Freibetr√§ge geltend gemacht werden k√∂nnen.

Auch die Aussch√ľttungen an Destinat√§re unterliegen gem√§√ü ¬ß 43 des Einkommensteuergesetzes (EstG) der Steuerpflicht. Die genaue Regelung ist rechtlich nicht ganz unumstritten und h√§ngt unter anderem von der Struktur der Stiftung ab. Sie ist in der Regel aber immer noch g√ľnstiger als die direkte √úbertragung des Verm√∂gens. In der Regel betr√§gt die Abgeltungssteuer f√ľr Kapitalertr√§ge aber 25 Prozent zzgl. Solidarit√§tszuschlag und ggf. Kirchensteuer (¬ß 43a EstG). Diese Belastung wird gem√§√ü ¬ß 36 Abs. 2 Nr. 2 EstG in Verbindung mit ¬ß 31 Abs. 1 KStG auf die K√∂rperschaftssteuer angerechnet. Grunds√§tzlich bel√§uft sich die Steuerbelastung bei Familienstiftungen auf 16,35 Prozent zzgl. Gewerbesteuer. Bis 1998 lag die Besteuerung noch bei 45 Prozent. Die Gewerbesteuer f√§llt dabei nur an, wenn Gewerbeertr√§ge erwirtschaftet werden. Verwaltet die Familienstiftung dagegen nur das eigene Verm√∂gen ohne einen Zweckbetrieb zu f√ľhren, besteht keine Gewerbesteuerpflicht. Aussch√ľttungen an Familienmitglieder oder andere bezugsberechtigte Personen unterliegen also der Abgeltungssteuer. Dies ist aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht sogar von Vorteil, da auf die Ertr√§ge keine Sozialversicherungsabgaben gezahlt werden m√ľssen. Der Zweck von Familienstiftungen, Familienangeh√∂rige materiell zu versorgen bzw. Ihnen das Stiftungsverm√∂gen zu privaten Zwecken zug√§nglich zu machen, regelt der ¬ß 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG.

 

Die Satzung einer Familienstiftung

In der Satzung einer Familienstiftung wird festgehalten, wie das Vermögen angelegt und zu welchem Zweck die Erträge verwendet werden sollen. Auch wie die Organe der Stiftung auszusehen haben, wird in der Satzung geregelt. Sie stellt also die Grundordnung der Stiftung dar und bindet die Stiftungsorgane unabänderlich und auf ewig an den Stifterwillen. Zu den Organen zählt auch ein Stiftungsbeirat bzw. Kuratorium zur Überwachung der Tätigkeiten des Vorstands und zur Einhaltung der Satzung.

Gemäß § 81 BGB sind in der Satzung mindestens folgende Dinge zu regeln:

  • Name der Stiftung
  • Stiftungssitz
  • Stiftungszweck
  • Stiftungsverm√∂gen
  • Bildung des Vorstands der Stiftung

 

Dem Stiftungszweck kommt dabei eine besonders gro√üe Bedeutung zu. So kann der Stifter den f√∂rderungsw√ľrdigen Zweck frei bestimmen. Dieser muss jedoch so exakt wie m√∂glich definiert werden, weil eine sp√§tere √Ąnderung nur schwer m√∂glich ist. Da der Stiftungszweck grunds√§tzlich nur aus den Ertr√§gen des Verm√∂gens gef√∂rdert wird, m√ľssen sowohl Verm√∂gen als auch Anlage der Stiftung dauerhaft gesichert sein. Das Verm√∂gen selbst bleibt also unangetastet.

√Ąnderung der Satzung

Die Satzung einer Stiftung soll grunds√§tzlich nicht ver√§ndert werden. Dies wird auch von der zust√§ndigen Aufsichtsbeh√∂rde anerkannt, die zur Fortf√ľhrung des Stifterwillens verpflichtet ist. Familienstiftungen weichen von dieser Regelung jedoch ab. So ist eine Satzungs√§nderung zwar m√∂glich, allerdings auch mit hohen finanziellen Belastungen verbunden. Denn zum einen l√∂sen √Ąnderungen der Satzung Erbschafts- und Schenkungssteuerverpflichtungen der Steuerklasse III aus, zum anderen beginnt bez√ľglich der alle 30 Jahre f√§llig werdenden Erbersatzsteuer ein neuer Zeitlauf. Finanzverwaltungen sehen in der Satzungs√§nderung au√üerdem eine Aufl√∂sung der bestehenden Stiftung sowie die Gr√ľndung einer neuen Stiftung.

 

Pr√ľfung der Stiftung

Die Pr√ľfung erfolgt durch einen Pr√ľfungsverband, eine Wirtschaftspr√ľfungsgesellschaft oder eine staatliche Rechnungsstelle.

F√ľr die Pr√ľfung von Familienstiftungen ist grunds√§tzlich ein Pr√ľfungsverband, eine Wirtschaftspr√ľfungsgesellschaft oder eine staatliche Rechnungsstelle zust√§ndig. Die Grundlage hierf√ľr bieten die Vorschriften zur Pr√ľfung von Stiftungen des jeweiligen Bundeslandes. Dar√ľber hinaus k√∂nnen Familienstiftungen in ihren Satzungen aber auch eine freiwillige Pr√ľfung festschreiben. Gepr√ľft werden vor allem die Erhaltung des Stiftungsverm√∂gens sowie die Mittelverwendung im Rahmen der jeweiligen Satzung. Zudem wird auch gekl√§rt, ob die allgemeine Buchhaltung den Grunds√§tzen ordnungsgem√§√üer Buchf√ľhrung entspricht. Erfolgt die Pr√ľfung durch einen Wirtschaftspr√ľfer, kann die Untersuchung durch eine beh√∂rdliche Organisation ausgeschlossen werden. Ist die Pr√ľfung abgeschlossen, erteilt der Wirtschaftspr√ľfer einen Best√§tigungsvermerk, dessen Wortlaut im ¬ß 322 HGB geregelt ist und von dem nicht abgewichen werden darf. √Ąhnlich wie bei Kapitalgesellschaften stellen die ¬ß¬ß 264 ff. HGB die Grundlage f√ľr einen Best√§tigungsvermerk dar.

 

Haftungsfragen

Familienstiftungen sind grunds√§tzlich selbst rechtsf√§hig und Tr√§ger von Rechten und Pflichten. Sie sind unbeschr√§nkt, direkt haftungsf√§hig und treten mit dem eigenen Verm√∂gen ein. Beg√ľnstigte Destinat√§re haften nicht, da sie im Gegenteil zu Gesellschaftern einer Kapitalgesellschaft weder Anteile noch sonstige Gesellschafterrechte an der Stiftung erhalten. Sie haften ausschlie√ülich im Rahmen der Organhaftung, beispielsweise wenn sie gleichzeitig Destinat√§r und Vorstand sind. Die Organhaftung des Stiftungsvorstandes wird wie bei Vereinen in den ¬ß¬ß 86 ff. BGB in Verbindung mit ¬ß 31 BGB geregelt. Demnach haftet die Familienstiftung f√ľr die Fehler und verursachten Sch√§den der Organe. Haftungstatbest√§nde sind dabei h√§ufig unrichtige Spendenbescheinigungen, unkorrekt abgef√ľhrte Steuern, Verletzungen der Auskunftspflicht sowie unterlassene Hinweise bei Insolvenzverdacht. Im Falle vors√§tzlichen oder grob fahrl√§ssigen Handelns kann der Vorstand durchaus auch pers√∂nlich haftbar gemacht werden.

 

Vorteile von Familienstiftungen

Obwohl Familienstiftungen der Steuerpflicht unterliegen, kann eine Gr√ľndung aus ganz verschiedenen Gr√ľnden lohnenswert sein. So bieten Familienstiftungen unter anderem folgende Vorteile:

 

 

Ein Vorteil von Familienstiftungen ist die einfache Gr√ľndung. So m√ľssen lediglich die Stiftungsorgane eingesetzt und die Stiftung mit Kapital ausgestattet werden. Nachdem der Stiftungsantrag gemeinsam mit der Satzung und der Verm√∂genswidmung bei der zust√§ndigen Landesbeh√∂rde eingereicht wurde, wird die Stiftung dann durch die Stiftungsbeh√∂rde anerkannt (siehe Abschnitt ‚ÄěWie wird eine Familienstiftung gegr√ľndet?‚Äú). Eine Eintragung ins Handelsregister ist nicht notwendig. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus dem Einfluss des Stifters. So hat er die M√∂glichkeit, den f√∂rderungsw√ľrdigen Zweck selbst zu bestimmen, sein Verm√∂gen zu erhalten und das Unternehmen weiterzuf√ľhren. Dar√ľber hinaus k√∂nnen Familienstiftungen bzw. deren Satzung ganz individuell ausgestaltet werden. Das bedeutet, dass nicht nur das Verh√§ltnis innerhalb der Stiftung frei gestaltet werden kann, sondern auch der Kreis der Beg√ľnstigten ist klar abgrenzbar und es k√∂nnen gleichzeitig mehrere Beg√ľnstigte in Abstufungen bedacht werden. Einer der bedeutendsten Vorteile von Familienstiftungen ist aber der effektive Verm√∂gensschutz. So ist eine Zersplitterung des Verm√∂gens innerhalb der Familie, beispielsweise durch Erbschaft oder Scheidung, nicht m√∂glich. Auch einer Zerschlagung des Unternehmens wird auf diesem Weg vorgebeugt, da Stiftungen keine Anteile ausgeben, die aufgekauft werden k√∂nnten. Ein weiterer √ľberaus wichtiger Vorteil von Familienstiftungen besteht in der vor allem langfristigen erbrechtlichen Planbarkeit. Denn Familienmitglieder sind mit Gr√ľndung der Stiftung verbindlich √ľber das Stiftungsverm√∂gen abgesichert. Durch eine klare Struktur der Stiftung k√∂nnen eventuelle Erbschaftsstreitigkeiten so bereits zu Lebzeiten des Stifters entsch√§rft werden. Au√üerdem k√∂nnen Stifter die Pflichtteilsanspr√ľche Ihrer Kinder oder Enkel umgehen, wenn sie ihr Verm√∂gen zehn Jahre vor dem Tod auf die Stiftung √ľbertragen. Dar√ľber hinaus ist die Haftung bei Familienstiftungen auf das Stiftungsverm√∂gen begrenzt und es besteht keine Bilanzpflicht. Ein letzter Vorteil von Familienstiftungen sind m√∂gliche steuerliche Beg√ľnstigungen. So ergeben sich je nach Ausgestaltung der Stiftung unter Umst√§nden steuerliche Vorteile, wie beispielsweise die Besteuerung der K√∂rperschaftssteuer, ohne dass dabei eine Gewerbesteuer anf√§llt.

 

Nachteile von Familienstiftungen

Nat√ľrlich bieten Familienstiftungen nicht nur Vor- sondern auch einige Nachteile. In der Regel handelt es sich dabei um:

 

 

Ein Nachteil von Familienstiftungen wird bereits im Rahmen der Gr√ľndung deutlich. So wird ein Kapital von mindestens 50.000 Euro ben√∂tigt, um die Stiftung √ľberhaupt erst gr√ľnden zu k√∂nnen. Ein weiterer Nachteil ist der Stiftungszweck. Er muss genau definiert werden und ist nur √§u√üerst bedingt variabel. Au√üerdem erhalten Beg√ľnstigte lediglich wiederkehrende Zahlungen. Eine Aussch√ľttung des Verm√∂gens ist nicht m√∂glich, was aus steuerlicher Sicht ein Nachteil sein kann. Ebenfalls nachteilig ist die Unk√ľndbarkeit, denn diese Form der Gesellschaft kann grunds√§tzlich nicht gek√ľndigt werden. Dar√ľber hinaus wird alle 30 Jahre die Erbersatzsteuer f√§llig, die im Gegensatz zu einem tats√§chlichen Erbfall allerdings planbar ist. Auch dass Familienangeh√∂rige ihre Anteile auf Dritte √ľbertragen k√∂nnen, wird h√§ufig als Nachteil empfunden. Dar√ľber hinaus haftet die Stiftung f√ľr Nachlassverbindlichkeiten des Stifters. Ein weiterer bedeutender Nachteil von Familienstiftungen ist die staatliche Beaufsichtigung. So unterliegen Familienstiftungen, wie andere Stiftungen auch, der Aufsicht und Kontrolle durch die Stiftungsaufsicht des jeweiligen Bundeslandes. Grunds√§tzlich sind Familienstiftungen eine relativ unflexible Gesellschaftsform. Zwar bieten sie Stabilit√§t, daf√ľr k√∂nnen Satzungen aber nur schwerlich ver√§ndert werden und auch die Trennung von unrentablen Unternehmensteilen aus der Stiftung ist kompliziert.

 

Alternativen zur Familienstiftung

Sollten Sie sich nach der Betrachtung der Vor- und Nachteile gegen die Gr√ľndung einer Familienstiftung entscheiden, stehen Ihnen eine Reihe von Alternativen zur Verf√ľgung:

 

Gr√ľndung einer gemeinn√ľtzigen Stiftung

Die Gr√ľndung von gemeinn√ľtzigen Stiftungen l√§uft √§hnlich wie bei Familienstiftungen ab. Auch Sie m√ľssen von einer Aufsichtsbeh√∂rde genehmigt werden, um anerkannt zu werden und rechtsf√§hig zu sein. Gemeinn√ľtzige Stiftungen werden im Gegensatz zur Familienstiftung steuerbeg√ľnstigt, wenn sie gemeinn√ľtzige, mildt√§tige und/oder kirchliche Zwecke verfolgen. Soll das Verm√∂gen also dauerhaft einem guten Zweck gewidmet werden, ist die steuerbeg√ľnstigte gemeinn√ľtzige Stiftung vielleicht die bessere Wahl. Auch sie kann sowohl den Stifter als auch seine Familie unterst√ľtzen, allerdings nur in begrenztem Umfang. So ist die Gemeinn√ľtzigkeit gem√§√ü ¬ß 58 Nr. 6 AO gegeben, solange die Stiftung einen Teil von h√∂chstens einem Drittel ihres Einkommens dazu verwendet, den Stifter und seine Angeh√∂rigen zu unterhalten. Die Ertr√§ge der Stiftung werden f√ľr diesen Fall nicht besteuert und auch die Erbersatzsteuer entf√§llt. Die an die Familienmitglieder gezahlten Aussch√ľttungen unterliegen jedoch der Steuerpflicht.

Unselbstständige Stiftungen (Zustiftungen)

Wie bereits erw√§hnt, gibt es auch sogenannte Zustiftungen. Dabei wird zur Verwirklichung eines bestimmten Stiftungszwecks Verm√∂gen an eine bestehende juristische oder nat√ľrliche Person √ľbertragen. Rechtlich liegt dann ein Treuhandvertrag bzw. eine Schenkung unter Auflagen vor. Zustiftungen bieten einige Vorteile. So ist beispielsweise keine Gr√ľndung erforderlich. In der Folge bedarf es keinerlei beh√∂rdlicher Anerkennungsverfahren und es besteht auch keine Staatsaufsicht. Das √ľbertragene Verm√∂gen geht dabei in das Eigentum des Stiftungstr√§gers √ľber. Vor allem wegen ihres hohen Ma√ües an Flexibilit√§t erfreut sich diese Form der Stiftung in der Praxis gro√üer Beliebtheit.

Gr√ľndung einer Familiengesellschaft

Soll keine Stiftung gegr√ľndet und bis zum Tod noch selbst √ľber das Verm√∂gen verf√ľgt werden, besteht eine weitere M√∂glichkeit, gebundenes Verm√∂gen zugunsten der Verwandtschaft einzubringen: die Gr√ľndung einer Familiengesellschaft bzw. eines Familienpools. So wird das Verm√∂gen in eine Familiengesellschaft eingebracht, deren Gesellschaftsvertrag Regelungen zur Funktion der Gesellschaft enth√§lt. Anschlie√üend werden Familienangeh√∂rige beliebig beteiligt. Durch Bestimmungen zum Stimmrecht und zur Nutzung k√∂nnen die Verh√§ltnisse dann ganz individuell gestaltet werden. Durch weitere √úbertragungen von Gesellschaftsanteilen zu Lebzeiten k√∂nnen au√üerdem steuerliche Vorteile genutzt werden, beispielsweise durch die gezielte Aussch√∂pfung der Freibetr√§ge alle zehn Jahre.

 

Zusammenfassung

Unterschrift Jurist

Familienstiftungen halten das Familienvermögen zusammen und sichern nachfolgende Generationen ab.

Familienstiftungen sind weniger eine Methode, Steuern einzusparen, als vielmehr eine Institution, die sowohl das Familienverm√∂gen zusammenh√§lt als auch nachfolgende Generationen √ľber den Tod des Stifters hinaus absichert. Diese Sicherheit geht jedoch damit einher, dass diese Gesellschaftsform in vielerlei Hinsicht unflexibel ist. Daf√ľr stellt die Familienstiftung eine der besten M√∂glichkeiten dar, den Willen des Stifters √ľber seinen Tod hinaus fortzuf√ľhren und ggf. Familienunternehmen zum Wohle der Familie zu erhalten. Familienstiftungen sind grunds√§tzlich privatn√ľtzig und damit steuerpflichtig. Je nach Gestaltung der Stiftung lassen sich aber dennoch steuerliche Vorteile erzielen, beispielsweise im Vergleich zur Verm√∂gens√ľbertragung im Rahmen einer Erbschaft. Die Gr√ľndung gestaltet sich als relativ einfach und unkompliziert, setzt jedoch die Ausstattung mit einem Kapital von mindestens 50.000 Euro voraus. Bereits im Rahmen der Gr√ľndung muss auch immer eine Satzung entworfen werden, die Auskunft dar√ľber gibt, wie das Verm√∂gen angelegt werden soll und zu welchem Zweck die Ertr√§ge zu verwenden sind. Sie stellt also die Grundordnung der Stiftung dar und bindet die Stiftungsorgane unab√§nderlich und auf ewig an den Stifterwillen. Zu den Organen einer Stiftung z√§hlen der Vorstand sowie der Beirat der Stiftung. Letzterer dient der √úberwachung des Vorstands. Eine √Ąnderung der Satzung ist grunds√§tzlich nicht vorgesehen, unter Ber√ľcksichtigung einiger nicht unwesentlicher H√ľrden aber durchaus m√∂glich. Die Pr√ľfung einer Familienstiftung erfolgt entweder durch einen Pr√ľfungsverband, eine Wirtschaftspr√ľfungsgesellschaft oder eine staatliche Rechnungsstelle.

Häufige Fragen zur Familienstiftung

Was ist eine Familienstiftung?
Unter einer Familienstiftung versteht man eine mit Verm√∂gen ausgestattete Institution, die dauerhaft dem Interesse einer Familie dient. Das Verm√∂gen √ľbernimmt also nicht ein bestimmter Personenkreis, sondern die Stiftung. Sie ist selbstst√§ndig, geh√∂rt sich selbst und hat weder Mitglieder noch Gesellschafter.
Wie wird eine Familienstiftung gegr√ľndet?
Ablauf der Gr√ľndung einer Familienstiftung: 1. Entwurf des Stiftungskonzepts und der Stiftungssatzung 2. Besetzung der Stiftungsorgane (vor allem Stiftungsvorstand & -beirat) 3. Ausstattung der Stiftung mit Kapital 4. Versenden des Stiftungsgesch√§fts (Gr√ľndungsantrag) 5. Anerkennung der Stiftung durch Stiftungsbeh√∂rde
Was kostet die Gr√ľndung einer Familienstiftung?
Die Gr√ľndung einer Familienstiftung ist grunds√§tzlich kostenlos, die Stiftung muss jedoch mit Kapital ausgestattet werden. Beh√∂rden fordern in der Regel ein Mindestkapital von 50.000 ‚ā¨, damit der Zweck der Stiftung erreicht werden kann.
Wie werden Familienstiftungen steuerlich behandelt?
Familienstiftungen sind grundsätzlich steuerpflichtig, dabei fallen folgende Steuern an: Schenkungssteuer, Körperschaftssteuer, Erbersatzsteuer, Einkommensteuer & Abgeltungssteuer. Grundsätzlich beträgt die Steuerbelastung bei Familienstiftungen 16,35 % zzgl. Gewerbesteuer.
Was sind die Vorteile einer Familienstiftung?
‚ÄĘ Einfache Gr√ľndung ‚ÄĘ Stifter haben gro√üen Einfluss ‚ÄĘ Individuelle Ausgestaltung ‚ÄĘ Erbrechtliche Planbarkeit (vor allem langfristig) ‚ÄĘ Haftungsbeschr√§nkung ‚ÄĘ Keine Bilanzpflicht ‚ÄĘ Steuervorteile

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